Auf der Liste der 50 größten Pharmaunternehmen der Welt ist die Bayer AG zwar die größte deutsche Firma auf diesem Sektor, rangiert aber auf einem bescheidenen 13. Platz. Der erste Platz wird übrigens von dem Schweizer Unternehmen Novartis gehalten.

Was ist ein Pharmaunternehmen?

In diesem Punkt gibt der Gesetzgeber eine klare Definition. Im deutschen Arzneimittelgesetz wird ein Pharmahersteller als ein Unternehmen definiert, das zulassungs- oder registrierungspflichtige Arzneimittel herstellt und Inhaber der Zulassung oder Registrierung ist. Dazu zählt auch, wenn das Unternehmen solche Präparate unter seinen Namen vertreibt. Um Arzneimittel herzustellen, benötigt ein Pharmahersteller eine behördliche Herstellungserlaubnis.

Welche Produkte werden hergestellt?

Die Liste ist sehr lang und umfasst unter anderem:

  • Arzneimittel für Human- und Veterinärmedizin
  • Fertigpräparate
  • Seren
  • Impfstoffe
  • Blutzubereitungen
  • Antiallergika
  • Gentherapeutika
  • Medizinprodukte

Viele Pharmahersteller wenden große Summen für die Forschung und Entwicklung auf.

Einige Fakten über die Bayer AG

Das Unternehmen ist an der Deutschen Börse notiert und gehört zu den wertvollsten DAX-Firmen. Die lange Geschichte der Bayer AG geht bis auf das Jahr 1863 zurück. Heute beschäftigt der Konzern weltweit beinahe 120.000 Mitarbeiter und ist in folgende 3 Hauptbereiche gegliedert:

  • Pharmaceuticals (Arzneimittel)
  • Crop Science (Agrarwissenschaft)
  • Consumer Health (Medizinprodukte)

Im Jahr 2015 erzielte die Bayer AG einen Umsatz von mehr als 46 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis (Gewinn) von über 4 Milliarden Euro.

Eine kurze Geschichte der Bayer AG

Die ersten Jahre

Die Firma entstand im damals selbstständigen Städtchen Barmen in der Nähe von Wuppertal. Der Name leitet sich vom Namen des Gründers, Friedrich Bayer, ab, der die damals noch winzige Firma als „Friedr. Bayer et. comp.“ registrieren ließ. Bayer hatte keine chemischen Kenntnisse und übernahm die kaufmännische Leitung. Sein Partner Weskott war gelernter Färber und hatte chemische Grundkenntnisse. Daher ist es auch nicht überraschend, dass zu den ersten Produkten die Farbstoffe Fuchsin und Anilin gehörten.

Die beiden Weltkriege

Bereits in jenen frühen Jahren entwickelte der Chemiker Carl Duisberg gemeinsam mit Gerhard Domagk erste, heute weltbekannte Produkte wie das Aspirin oder das Sulfonamid (Breitbandantibiotikum) Prontosil. Im Jahr 1896 erfolgte der Umzug an den heutigen Stammsitz. Ein interessanter Fakt ist, dass Bayer 1896 das Patent für Heroin . erhielt. Bereits während des Ersten Weltkriegs stellte Bayer Giftgas her. Aus dem Zusammenschluss mit anderen Chemieunternehmen wurde 1916 die IG Farben gegründet, die in der Nazizeit traurige Berühmtheit erlangte, weil sie Giftgas an die Konzentrationslager lieferte. Im Unternehmen wurden Zwangsarbeiter in großer Anzahl eingesetzt. Nach Kriegsende wurde die IG Farben zerschlagen und die Bayer AG formierte sich neu.

Die Nachkriegszeit

Da der Bedarf nach Chemikalien groß war, erfolgte bald der Neustart, wenn auch unter schwierigsten Bedingungen. Bereits Anfang der fünfziger Jahre expandierte Bayer ins Ausland und setzte diesen Expansionskurs über Jahrzehnte fort. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs expandierte Bayer sehr stark nach Osteuropa. Von 2002 bis 2007 war Bayer an der New Yorker Börse gelistet, musste sich aber wegen eines Skandals um ein Pflanzenschutzmittel wieder zurückziehen. Von 2002 bis 2005 erfolgte eine Umstrukturierung des Konzern und die oben aufgeführten Geschäftsbereiche sowie der Bereich Animal Health entstanden.

Welche Produkte stellt die Bayer AG her?

Der Bereich Pharmaceuticals entwickelt und vertreibt eine ganze Reihe rezeptpflichtiger Medikamente aus den Bereichen.

  • Frauengesundheit
  • Kardiologie (Herzmedikamente)
  • Onkologie (Krebstherapie)
  • Hämatologie (Mittel gegen Blutkrankheiten)
  • Ophthalmologie (Augenheilkunde)
  • Kontrastmittel für Röntgen

Zu den Produkten des Bereichs Consumer Health gehören solche weltbekannten Produkte wie Aspirin (ein Dauerbrenner seit 120 Jahren!) oder die Salben Bepanthen und Bepanthol und andere rezeptfreie Produkte. Der Bereich Consumer Health hat seinen Sitz in Basel in der Schweiz.

Fazit

In der langen Geschichte der Bayer AG gab es viele Erfolge, aber auch dunkle Kapitel, besonders während der Nazizeit. Im IG Farben Prozess, der 1945 in Nürnberg stattfand, wurden 13 leitende Mitarbeiter der ehemaligen IG Farben zu langen Haftstrafen verurteilt. Ein anderer dunkler Fleck aus jüngerer Vergangenheit ist der Lipobay-Skandal von 1999. Damals starben in Peru 46 Schulkinder, weil versehentlich ein hoch giftiges Pflanzenschutzmittel in die Schulmilch gelangte. Grund dafür war wahrscheinlich eine unzureichende Etikettierung.

Bayer hat aber auch viel Gutes bewirkt. Sein Aspirin half sicher schon Milliarden von Menschen bei Schmerzen aller Art und das von Bayer entwickelte Sulfonamid gab erstmals den Ärzten eine wirksame Waffe gegen Entzündungen in die Hand. Für die Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs übernahm Bayer Verantwortung, entschuldigte sich und leistete Wiedergutmachung so weit das möglich war. Bayer investiert große Summen in die Entwicklung neuer Präparate und Therapien.